OOC
Aus silbermarken.de
OOC-Einflüsse sind in einem Rollenspiel niemals vermeidbar. Ihr Vorwurf wiegt schwer und selten ist OOC sehr klar zu erkennen. OOC wird daher stets ein unwillkommener Bestandteil eines Rollenspiels sein. Auch, wenn es daher nicht vermeidbar ist, ist es dennoch möglich, es auf ein Minimum zu reduzieren. Eine sehr unangenehme und durchaus höchst schädliche Form des OOC ist es, wenn die Motivation des Spielers unter einem Deckmnatel von RP-Motivation nachgegangen wird. Begründet wird es (gerne in der Planungsphase) allzugerne: "...diese Tat ist machbar, denn ich kann es mit meinem Charakter und seiner Geschichte begründen und ...".
Bedauerlicherweise findet sich diese Denkweise bei sehr vielen Spielern recht oft und es ist auch sehr schwer, nicht nur dieser beizukommen, sondern auch die klar zu erkennen. Die Gründe dazu, ob es dazu dient, den Charakter nach eigenem Wunsch stets zu (ver-)formen, mögliche (Spieler-) Feindschaften anzuheizen oder andere Ziele, sind nicht von Relevanz. Fakt ist, dass ein Charakter, so ausgespielt wird, keine eigenständige Figur in einer Rollenspielwelt ist, sondern nur noch ein Instrument der Willkür seines eigenen Spielers. Der Sinn des Rollenspiels wird damit von dem Spieler / der Spielerin verzerrt, ganz davon abgesehen, dass diese Denkweise den Spielspass anderer Spieler meist schadet als fördert. Begründete Rollenspielhandlungen haben dadurch keine befriedigende Allgemeingültigkeit, da sich ja bei ausreichender Bauernschläue und Einfallsreichtum im Rollenspiel alles begründen lässt (sogar Dinge, die dem Regelwerk entgegensprechen).
Es ist allgemein auch so, dass solche durch Spieler "gesteuerten" Charaktere (= Charaktere, die eine große Distanz zum Spieler haben und / oder Ereignisse bis ins Detail vorgeplant werden) noch größere Gefahr laufen, dass das OOC-Denken weiteren Einfluss auf andere Spieler findet.
- Erstes Beispiel:
Powergaming: Aus eigenen Interessen werden Werte und Besitztum durch unzulängliches Verhalten gesteigert. Es entstehen oben genannte Konsequenzen.
- Zweites Beispiel:
Die Benachteiligung gewisser Charaktere im Spiel: Ein exotischer Charakter findet auf dem Server Platz und wird bewusst von anderen Spielern aus oben genannten Intentionen, rollenspielmäßig begründet (weil ja alles mit Einfallsreichtum begründbar ist), gemobbt, den Tod angedroht oder ähnliches. Hier ist die klassische Verzerrung des Rollenspiels zu beobachten.
- Drittes Beispiel:
Direkte Konfrontation mittels Hasstriaden und Aktionen gezielt gegen Spieler / Spielerschaften. Siehe dazu den Screenshot rechts. Dieses stellt die extremste Fassung von OOC-Missbrauch dar. Lediglich die Entfernung zwischen beiden Standorten der Spieler ermutigt solche Täter, unmissverständliche Hassbotschaften auszusenden. In diesem Falle ist von Rollenspiel und Wohlfühlen keine Rede mehr.
Die "RP-Polizei"
Eine sehr schädliche Eigenart von SpielerInnen ist es überhaupt, alles (für sich oder öffentlich) im OOC zu hinterfragen. Durch solche Hinterfragungen kann unmöglich ein Gefühl für eine lebendige Fantasywelt aufgebaut werden. Das gilt vor allem bei besonders kritischen Beobachtungen des Rollenspiels anderer SpielerInnen (z. B. Beispiel 2 weiter oben).
Niemand spielt ein fehlerfreies Rollenspiel und es gibt zig akzeptable Formen des Rollenspiels. Die einzige Instanz, die auf einem Rollenspielserver, einer Persistent World, wie hier den Silbermarken, das Recht hat, darüber zu urteilen, wer korrekt spielt und wer nicht, ist der Staff.
Es gibt Leute, die einen sehr großen Teil, oder gar ihre ganze Zeit damit verbringen, dass Spiel anderer Mitspieler zu "überwachen" und sie bei ihren Fehltritten bei der nächstbesten Gelegenheit unter die Nase zu reiben (eventuell sogar öffentlich), verderben sehr massiv das Klima in der Spielerschaft und verunsichern dazu neue, unerfahrene SpielerInnen. Man kann sich unmöglich unbeschwert und frei in seinen eigenen Charakter hineinversetzen, wenn dutzende Augen argwöhnisch einen Beobachten und darauf warten, bei einem kleinen Fehler den Spieler aggressiv zur Verantwortung zu ziehen. Dieses findet meist über dem Weg einer PM im Spiel statt. Im "worst case" läuft es darauf hinaus, dass die Meinung der Kritiker für das eigene Spiel größeres Gewicht erhält als die Logik des Charakters und des eigenen Spielspaß. Vergessen wird dabei gerne, dass jene Kritiker selten uneigennützig sind oder stets Recht haben.
Eine von der Spielerschaft oder Einzelnen betriebene "RP-Polizei" war und ist auf den Silbermarken nicht erwünscht. Spieler, die einen kleinen Fehler anderer auch mal mit einem Augenzwinkern übergehen, weil sie wissen, dass sie selbst nicht perfekt handeln sind vielmehr erwünscht. Konstruktive Kritik darf durchaus auch angebracht sein. So auch vor allen Dingen Spieler, die ihre Kritik zum Rollenspiel auch auf sich selbst richten und versuchen, andere statt ihrer Fehler anzugehen, sich selbst im Rollenspiel zu verbessern.
Trennung von OOC- und Charakter-Wissen
Ohne Ausnahme sollte stets zwischen dem Charakter- und Spielerwissen getrennt werden. Einfacher gesagt als getan, denn meistens geschieht eine solche Vermischung nicht einmal bewußt. SpielerInnen, die ihre Charaktere in verschiedenen, meist konkurrierenden Fraktionen / Lagern / Institutionen, oder Rassen haben, zeichnen sich als gefährdet ab.
Das Wissen über Schwachstellen einer Seite darf, wenn der Charakter es nicht weiß, beispielsweise nie verwendet werden. Auch darf nicht wie oben im Artikel beschrieben, als Spielermotivation danach bewußt gestrebt werden, damit der Charakter an dieses Wissen kommt. Ebenso fallen unter OOC-Einflüsse die Umgehensweisen mit anderen SpielerInnen, beispielsweise in Sympathie oder Antiphatie, der Förderung und Behinderung ihrer Charaktere aus dem Umgang ooc. Charaktere, die danach "gesteuert" werden, fallen dem OOC-Einfluß damit zum Opfer. All diese Vorgehensweisen wirken sich massiv destruktiv auf das Rollenspiel wegen mangelnder RP-Logik aus. Wenn solchiges bewußt wird, sollte es unter allen Umständen, auch wenn es nicht leicht fällt, vermieden werden.
Wie eingangs im Artikel beschrieben, wird OOC niemals zu 100% abzuschalten sein. Gewisse Resteinflüsse existieren immer. Es fängt schon mit der Konzeptuierung des Charakters an, die auf reiner OOC-Basis stattfindet. Doch es liegt an jedem selbst, inwieweit er sich in seinen Charakter und die Welt ohne große OOC-Planungen hineinversetzen will.
Weblinks
- The RP-Nazi (engl.)
- Wikipedia zu OOC
