Silbermarken:Anauroch
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Von jeher verspüren Menschen bei dem Gedanken an die Wüste Unsicherheit und zugleich Faszination. Da Hitze und Kälte die beiden Faktoren sind, die das Leben am meisten beeinflussen, verwundert es nicht, dass es keine lebensfeindlicheren Gebiete gibt als eine Eis- oder Sandwüste. Die Anauroch besitzt beides.
Über viele tausend Meilen breitet sich im Norden des Kontinents von Faerûn eine unwirtliche Gegend aus, die die Zivilisation zurück in ihre Grenzen drängt. Die Anauroch ist die größte Wüste die es auf Faerûn gibt. Westlich der Anauroch breiten sich die aufstrebenden Silbermarken unter Alustriels großzügiger Hand aus, östlich bestehen die Talländer schon seit Jahrtausenden in immer wiederkehrendem Auf- und Ab ihrer Geschichte. Im Norden der Anauroch schließt sich der Grat der Welt an und hat auch die nördlichsten Ausläufer der Wüste in ewig währendes Eis getaucht. Im Süden schließt sich Cormyr an die Anauroch an.
Östlich von Ascores altem Hafen erstrecken sich die verschlungenen Schluchten einer felsigen Steppe. Die felsigen Höhen bilden eine Barriere für die heißen Wüstenwinde, die Tonnen von Sand mit sich in den Westen nehmen. Die Höhlen und Grotten sind eine letzte Bastion vor der unerbittlichen Öde der Wüste. Hier kann man kleine Quellteiche und Pfützen mit Sickerwasser auffinden. Wasserquellen, die in der Wüste rar sind.
Die hoch erhobenen Sandsteinfelsen spenden tagsüber, wenn die Sonne senkrecht im blauen, wolkenlosen Himmel aufragt nur wenig Schatten. Nachts strahlt der Stein seine gesammelte Wärme ab, jedoch erkaltet er mit den frühen Morgenstunden ebenso wie der Rest der Wüste.
In der Anauroch herrscht tagsüber glühende Hitze, die in jeder Luftschicht still zu stehen scheint. Die sengenden Sonnenstrahlen berühren den Wüstensand und verwandeln ihn in ein dampfendes graugelbes Meer, das vor den Augen zu verschwimmen beginnt. In den winddurchtosten Felsschluchten mag es mittags noch kühle, schattige Plätze geben.
Bei einer Wüstenwanderung mag einem nur die endlose Weite der Ebene in die Augen stechen, doch die Leere täuscht: Die Wüste lebt. Sie ist die Heimat abertausenden von Arten. Tieren und Pflanzen gleichermaßen. Nicht selten nehmen Kräuterkundige selbst diesen weiten Weg auf sich um an die begehrten Kakteenblüten und andere Kostbarkeiten der Wüste zu kommen. Hier findet man die absonderlichsten Pflanzen und Blattarten, die man nirgendwo anders zu Gesicht bekommen kann. Blätter hart wie Eisen und mit Dornen und Stacheln bespickt. Da auf nur wenige Stellen der Wüste jemals ein Regentropfen fällt, scheinen die meisten Sträucher und Kakteen ihre Wurzeln weit in den Untergrund zu strecken.
(Die wenigsten Arten dieser Flora sind in irgendeiner weise genießbar, doch manche Bedinen-Stämme scheinen ein Geheimnis zu kennen, wie man aus diesen Pflanzen Wasser gewinnen kann.)
Vögel und Schmetterlinge, Ameisen und Käfer, Schlangen und einige wenige Säugetiere. Unter den Fußsohlen der Reisenden wimmelt es von Insekten und Käfern im Sand. Die rehähnlichen Gazellen kann man in Nähe der seltenen Oasen und Quellen beobachten, an denen die Natur wie im Paradies aus der fruchtbaren Erde sprießt
Doch nicht nur Käferhöhlen befinden sich unter den Fußsohlen der Reisenden begraben im Sand. Alte Ruinen, seltsame Säulen und verlassene Städte aus Stein, von Zeit und Wüstensand verschluckt, werden nach und nach wieder vom Wind ausgegraben und erzählen Geschichten von vergangenen Zeitaltern, als die Anauroch noch keine Menschenverlassene Wüste war.
In kleine Stämme verstreut leben die Nomaden der Anauroch, die man die Bedinen nennt. Sie ziehen von Wasserstelle zu Wasserstelle und scheinen die Wüste zu kennen, wie keine anderen. Doch die Wüste meistern kann man nicht.
Ein Händlerlager in der Anauroch bietet vielen durchreisenden Karawanen Schutz vor der Nacht und einen Brunnen mit frischem Wasser. Wenn es Nachrichten gibt, die durch die Wüste wehen, dann wird man hier sicherlich Neuigkeiten aufschnappen können. Hinter dem Lager breiten sich die goldgelben Wellen des Sandmeeres aus.
Im Norden der Anauroch soll sich eine Stadt mit Namen Hlaungadath befinden. Doch so wundersam der Name alleine schon klingt, die Bewohner der Stadt müssen noch viel wundersamer sein. Man spricht von einer alten verlassenen Ruinenstadt, die nun von Hexenmeistern in Anspruch genommen worden ist.
Aber neben ihren Wundern findet man in der Großen Wüste noch vielerlei Gefahren. Hitze und Durst sind die beiden schlimmsten Feinde von Reisenden. Ohne Orientierung ist man schnell verloren, jeder Stein ähnelt dem anderen, die Sonne trocknet einen aus und irgendwann wird auch der Wasserschlauch leer.
Eiskalte Nächte fordern einen weiteren Tribut. Echsenmenschen, Goblins und andere Humanoide, die sich an die Wüste angepasst haben, fordern als Wegelagerer von Karawanen oft einen hohen Zoll. Alte Ruinen, die erst einmal entdeckt, noch dunkle Geheimnisse zu offenbaren haben.



